Kursteil 5 und 6

Deutsche Bierwelt Teil 1 – untergärig

Ab dem nächsten Teil des Kurses zum International Beersommelier der Deutschen Bierakademie, beschäftigen wir uns mit den einzelnen Bierstilen. So begannen wir am vergangenen Mittwoch mit den deutschen, untergärigen Bierstilen.

Zu Beginn beschäftigten wir uns mit einem neuen Tool, welches es uns ermöglicht, Bilder und Texte an eine virtuelle Pinnwand zu hängen und dort zu bearbeiten. Unsere Hausaufgabe, „das aktuelle Bild vom Bier“ wurde dann auch schnell von jedem dort angepinnt.

Dann lernten wir den Verkostungsbogen kennen, den wir ab jetzt immer verwenden können und lernten, wie wir damit umgehen. Und diesen benutzten wir dann gleich auch in der Praxis. Bei der ersten Breakout-Session durften wir das gar nicht so typische Helle von Schlenkerla probieren, was anschließend schon gewollt zu den ersten Diskussionen führte. Ein wunderbar spannender Beginn in diesen Kursteil. Danach befassten wir uns mit der Übersicht zu den deutschen, untergärigen Bierstilen und wie es zustande kam, dass diese in der Tradition und Industrialisierung in unserem Land eine ganz entscheidende Rolle spielen. Wir sahen uns eine kurze Sequenz über Lindes Kältemaschine an und sprachen über weitere Industrialisierungs-Schritte, die das Bier im Endeffekt zum Export-Schlager machten. Louis Pasteur und die Erkennung der Mikrobiologie und Entdeckung der „untergärigen Hefe“ sind da zwei weitere wichtige Eckfeiler im Weg zu unseren heutigen, traditionellen Hellen, Pilsenern und anderen Lagerbieren.

Export
Das Export der Brauerei Ott

Wir lernten nun die einzelnen Bierstile näher kennen und begannen mit dem Hellen, welches die Spaten Brauerei in München erstmalig in 1893 auf den Biermarkt brachte. Dann ging es um das Export, was den Beginn der Palastbauten-Brauereien in Dortmund und München begleitete. Der Seminarbeitrag zur Bierstadt Dortmund zeigte hier noch mehr auf, dass diese Zeit ein Glücksgriff der deutschen Wirtschaft war und die Bierwelt und der Aufschwung der Industrielisierung Hand in Hand gingen. Wir verkosteten anschließend das Export der Brauerei Ott und gingen dann über zu Deutschlands liebstem Bier – dem Pils! Wir erfuhren von Joseph Groll und seinem Weg als bayrischer Braumeister, zur bekanntesten böhmischen Brauerei Pilsner Urquell, wo der Ursprung des Bohemian Pils liegt. Im Nachgang kamen wir zur nächsten Verkostung. Eine tolle Pils-Interpretation von Lemke aus Berlin. Das „Bohemian Pils“, mit dem Aromahopfen East Kent Golding, der dem Bier einen frischen und zitrischen Charakter verleit.

Die dunkleren, untergärigen Bierstile folgten dann. Wir besprachen das dunkle Lager und durften auch gleich das E.T.A. von Mahrs Bräu aus Bamberg verkosten. Ein schönes Malz-Bonbon aus der Bierstadt in Oberfranken, es folgte aber gleich die nächste Aroma-Bier-Malzbombe. Mit dem ATOR20 von Riegele aus Augsburg, schoss die Genussbier-Messlatte in schwindelnde Höhen. Wirklich ein toller dunkler Doppelbock. Mit einem kurzen Einblick in das deutsche Schwarzbier und den deutschen Porter schickten uns die drei Dozenten in die After-Show-Party, bei der zum ersten Mal auch einige der Absolventen/-innen des ersten Biersommelier Kurses der Bierakademie teilnehmen durften. Es wurde noch eine witzige Nacht….viel mehr Details werden hier jetzt nicht Preis gegeben.

Deutsche Bierwelt Teil 2 – obergärig und Wild

Ablaufplan
Ablaufplan

Der nächste Mittwoch wurde wieder mit Spannung erwartet und endlich war es dann so weit. Sechs tolle Biere zur Verkostung und Nadjas und Meine Seminararbeit sollten auf dem Programm stehen. Aber das Beste kam noch zu vor, unser nächster Stargast wurde aus Berlin zugeschaltet. Nachdem wir etwas über Weißbiere und deren Historie und Entstehung erfahren haben, schaltete sich Oliver Lemke, bekannter Braumeister und Chef des Brauhaus Lemke aus Berlin zu und erzählte einiges über seine Interpretation des Weizenbieres, welches wir vorab in einer ersten Breakout-Session schon verkosten durften. Meiner Meinung nach wurde das Bier genauso getroffen, wie er es uns erklärte und somit auch haben wollte. Die Berliner Weisse wurde dann ein Thema. Es ging um die Entstehung, wie dieser Bierstil polarisiert und wie er gemacht wird, nämlich mit Mischvergärung aus Milchsäurekulturen und auch wilder Bretanomyces Hefe. Wir lernten Olis Buddike Weisse kennen, eine leicht interpretierte Weisse, die uns und der Runde gut schmeckte.

Lemke - Weizen
Lemke – Weizen
Oliver Lemke
Oliver Lemke, Brauhaus Lemke ist zugeschaltet
Budike Weisse
Budike Weisse

Dann folgte Nadjas großer Moment: Die Seminararbeit über das Altbier und die Bier-Geschichte der Stadt Düsseldorf. Wir erfuhren, dass Altbier keine regional-geschützte Bezeichnung ist und somit auch überall anders als „Altbier“ gebraut werden kann. Wir sahen, wie das Altbier eigentlich kein altes Bier ist, sondern ein Jungbier, welches nach alter Brauweise gebraut wird. Nach Nadjas Seminararbeit ging es an die Verkostung des Weiherer Os-Alt, welches den Meininger Award in der Kategorie Altbier in Gold gewonnen hatte.

Im Anschluss ging es dann in die Domstadt Köln und zu meiner Seminararbeit, in der die Gruppe erfuhr, wie sich das kristallklare „Kölsch“ aus mehreren Bier-Epochen und unterschiedlichen ersten Bierstilen entwickelte und heute sogar in der sogenannten „Kölsch Konvention“ regeltechnisch bestimmt ist.

So wurden zwei rheinische Bier-Hochburgen detailliert beleuchtet. (An dieser Stelle nochmal Sorry für meine Gottschalke-Overtime 🙂 )

© Jörg Peters, Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG
© Jörg Peters, Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG
Bayrischer Bahnhof - Gose
Bayrischer Bahnhof – Gose

Ein weiterer, toller Bierstil ist die Leipziger Gose. Wir lernten die Spezialität aus den Städten Leipzig und Goslar kennen, welche meist mit Salz und Koriander fein säuerlich eingebraut wird. Den bayrischen Bahnhof in Leipzig, haben Nadja und Ich ja im letzten Jahr noch besucht.

Mahrs U
Mahrs U

Im Anschluss erfuhren wir noch etwas zum untergärigen Kellerbier, was in die letzte Woche einfach zeitlich nicht mehr gepasst hatte. Markus durfte seinen heimatlichen und fränkischen Bierstil beleuchten und wir kamen in den Genuss der Verkostung des Mahrs-U! Dem Bier für das man die kürzeste Bestellung hereingeben kann: „a U“ :).

Ein toll interpretiertes Kellerbier begleitete uns dann auch noch durch zwei weitere interessante Seminararbeiten. Daniela erzählte uns etwas über die Zoigl-Kultur in der Oberpfalz und Florian gab eine weitere Hommage an die Fränkische Bierwelt zum Besten.

Insgesamt waren es zwei ganz wunderbare Kursteile, die den Beginn in die Bierstile richtig schmackhaft dargestellt haben und wir wieder viel Wissen mit in die Nacht nahmen.

Text: Paddy und Nadja, Bilder: Bierakademie, Lemke, © Jörg Peters, Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG
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